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Wir schreiben eine Arbeit

Dieses Kapitel bietet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit. Ich versuche mich dabei so kurz wie möglich zu halten. Solltest du etwas nicht verstehen oder weitergehende Information wünschen, dann beachtete die am Schluss dieser Seite angegebenen Verweise auf wirklich hervorragende Online-Dokumente.

Erstellen des Eingabe-Dokumentes

Um das Erstellen des Eingabe-Dokumentes so einfach wie möglich zu machen, habe ich einige Vorlagen erstellt, die du schon installiert hast (im Kapitel «Installation»).

Wir beginnen, indem wir ein neues Eingabe-Dokument erstellen (dazu im Menu «Ablage» von TeXShop «Neu» wählen) und dann in der Symbolleiste die Vorlage «Seminararbeit» wählen.

TeXShop Symbol-Leiste
Rechts in der Symbolleiste auf «Vorlagen» klicken und «Seminararbeit» auswählen.

Damit ist das Gerüst für das Eingabe-Dokument schon erstellt! Ein Vorteil der Arbeit mit Vorlagen ist, dass so schon alle wichtigen Einstellungen in der Präambel getroffen sind (Sprache, Papierformat, Art des Dokumentes, ...), was normalerweise die grösste Hürde für LaTeX-EinsteigerInnen sein dürfte. Zudem habe ich auch schon Befehle eingefügt für die Titelseite und die Bibliographie. Du musst also nur noch die Inhalte an deine Bedürfnisse anpassen. Damit du nicht lange suchen musst, wenn du einen Befehl nicht verstehst, habe ich kurze Kommentare (erscheinen in TeXShop rot) zu den Befehlen, sowie Tipps und Beispiele mit in die Vorlage aufgenommen.

Zudem habe ich die Vorlage zur Erhöhung der Übersichtlichkeit in vier Teile eingeteilt: Präambel, Titelseite und Inhaltsverzeichnis, eigentlicher Text und Bibliographie. Wir gehen nun diese Teile der Reihe nach durch und erstellen dabei schrittweise das fertige Eingabe-Dokument.

A. Präambel

In der Präambel werden wichtige Einstellungen getroffen, unter anderem werden LaTeX Dinge wie das Papierformat oder sprachspezifische Einstellungen mitgeteilt und zusätzliche Pakete aufgerufen, die LaTeX um weitere Funktionen erweitern. Es besteht normalerweise kein Grund hier etwas zu ändern.

\documentclass[a4paper,12pt,headsepline,smallheadings]{scrreprt}
Mit dem \documentclass-Befehl in der ersten Zeile wird eine bestimmte Dokumentklasse ausgewählt (Argument in den geschweiften Klammern). Mit der Wahl einer Dokumentklasse legt man fest, welche Art von Dokument erstellt werden soll. Klassischerweise nimmt man eine der folgenden Dokumentklassen: book, report, article oder letter.
Ich empfehle allerdings den Einsatz einer der so genannten KOMA-Script-Klassen, die die europäischen typographischen Gepflogenheiten besser berücksichtigen. Ansonsten entsprechen sie weitgehend den originalen Klassen, verfügen aber über viele zusätzliche Befehle und Optionen (Da ich solche Befehle und Optionen in die Vorlage aufgenommen habe, solltest du nur die Koma-Script-Klassen verwenden). Die Namen der Koma-Script-Klassen: scrbook, scrreprt, scrartcl, scrlettr.
In den eckigen Klammern stehen die optionalen Argumente. Sie müssen nicht explizit angegeben werden: Fehlen sie, benutzt LaTeX Voreinstellungen. Die optionalen Argumente des \documentclass-Befehls legen zum Beispiel das Papierformat fest (a4paper) oder die Grösse der Standardschrift (12pt, alternativen: 10pt, 11pt) und sorgen dafür, dass die Kopfzeile mit einer Linie vom Text abgesetzt wird (headsepline) und für nicht zu grosse Kapitelüberschriften (smallheadings). Erwähnenswert sind sicher noch die folgenden zwei optionalen Argumente: onecolumn/twocolumn für ein- oder zweispaltigen Text und oneside/twoside für die Gestaltung von ein- oder zweiseitigem Druck.
\usepackage[ngerman]{babel} und \usepackage[applemac]{inputenc}
Die beiden \usepackage-Befehle laden Pakete, die LaTeX die deutsche Silbentrennung, einige deutsche Wörter (das Paket babel) und die Umlaute (das Paket inputenc) beibringen.
\typearea{12}
Mit diesem Befehl (der nur zusammen mit den Koma-Script-Klassen funktioniert) wird die Grösse des bedruckbaren Bereiches verändert: Je grösser die Zahl, desto grösser der bedruckbare Bereich. Man sollte dabei aber nicht übertreiben, da eine Zeile aus Gründen der Lesefreundlichkeit höchstens aus 60 bis 70 Zeichen bestehen sollte. Dieser Befehl garantiert im Vergleich zu einer direkten Angabe der Seitenränder typographisch überzeugende Seitenränder.
\pagestyle{headings}
Mit diesem Befehl wird der Inhalt von Kopf- und Fusszeilen festgelegt. Mit dem Argument headings steht die Kapitelüberschrift und die Seitennummer in der Kopfzeile (nicht auf Seiten, wo ein neues Kapitel beginnt), bei plain wird nur die Seitennummer in der Fusszeile ausgegeben und mit empty ist sowohl die Fusszeile, als auch die Kopfzeile leer.

B. Titelseite und Inhaltsverzeichnis

In diesem Teil stehen die Befehle zur Generierung der Titelseite und des Inhaltsverzeichnisses. Während für das Inhaltsverzeichnis ein einziger Befehl (!) ausreicht (\tableofcontens), braucht LaTeX für die Titelseite zusätzliche Informationen (Titel der Arbeit, Name, Adresse, ...).

Am besten gehst du diesen Teil Zeile für Zeile durch und fügst an den dafür vorgesehenen Stellen den Titel deiner Arbeit, deinen Namen, ... ein.

Um Text (zum Beispiel deine Adresse) auf mehrere Zeilen zu verteilen, trenne die Zeilen mit zwei Backslashs (\\).
Wenn du ein Element der Titelseite nicht brauchst, kannst du natürlich die betreffende Zeile löschen.

C. Hauptteil

Hier schreibst du den eigentlichen Text der Arbeit.

Es folgt eine kurze Präsentation von wichtigen Befehlen und Informationen. Beachte aber auch die Beispiele in der Vorlage!

Gliederung
Versuche deinen Text in sinnvolle Kapitel und Unterkapitel zu unterteilen. Dies erreichst du mit den Befehlen \chapter{Titel}, \section{Titel}, \subsection{Titel} und gegebenenfalls \subsubsection{Titel}. Die Buchklassen (book und scrbook) verfügen zusätzlich noch über die Gliederungsebene \part{Titel}. Die Kapitel und Unterkapitel (bis und mit\subsection) werden automatisch auch ins Inhaltsverzeichnis aufgenommen.
Abschnitte
Überlege dir genau, an welchen Stellen deines Textes du neue Abschnitte beginnen willst. Jeder Abschnitt sollte einen (Teil-)Gedanken enthalten. Du teilst LaTeX mit, dass du einen neuen Abschnitt beginnen möchtest, indem du eine Zeile im Eingabe-Dokument zwischen den Abschnitten frei lässt.
Hervorhebungen
Für die Hervorhebung eines Wortes oder einer Textstelle eignet sich der \emph{}-Befehl. Zwischen die geschweiften Klammern fügst du den hervorzuhebenden Text ein:
Ich bin der \emph{Grösste}!
Zitate
Für längere Zitate benutzt du am besten folgende Umgebung:
\begin{quotation}

    LaTeX ist wohl das beste Programm für
    das wissenschaftliche Publizieren.
    
\end{quotation}
Fussnoten
Fussnoten werden eingefügt, indem man an die Stelle, wo die Fussnote eingefügt werden soll, den Befehl \footnote{Fussnotentext} einsetzt. LaTeX übernimmt automatisch die Nummerierung der Fussnote und setzt den Fussnotentext an den unteren Rand der Seite.

D. Bibliographie

Hier aufgenommener Text erscheint in der Bibliographie des Ausgabe-Dokumentes.

Die Bibliographie lässt sich leicht erweitern mit Hilfe des Vorlagenmenüs in der Symbolleiste: Einfach den Cursor an die gewünschte Position der Bibliographie bringen (zwischen \begin{thebibliography} und \end{thebibliography}) und dann «biblio_buch» (für Bücher) oder «biblio_aufsatz» (für Aufsätze aus Büchern) aus dem Vorlagenmenü wählen. Natürlich darfst du nicht vergessen die Namen und Titel wie von dir gewünscht zu ändern.

Das Setzen

So, du hast den Text geschrieben und willst nun das Dokument setzen. Deshalb drücke auf den «LaTeX»-Knopf von TeXShop. Wenn sich in dein Eingabe-Dokument keine Fehler eingeschlichen haben, siehst du ein paar Sekunden später das fertige Ausgabe-Dokument; toller Inhalt von dir und perfekter Satz von LaTeX!

Es ist noch wichtig zu wissen, das LaTeX für gewisse Elemente eines Eingabe-Dokumentes zwei Durchläufe braucht, so zum Beispiel für das Inhaltsverzeichnis, um korrekte Ergebnisse liefern zu können. Das hat damit zu tun, dass LaTeX das Eingabe-Dokument von oben nach unten durcharbeitet und der Befehl zur Erstellung des Inhaltsverzeichnisses zumeist vor Befehlen wie \chapter, \section, ... an die Reihe kommt. Deshalb erstellt LaTeX für sich während dem Setzen eine «Merkliste» (in der Datei «Name des Dokuments.toc»), aus der der Befehl \tableofcontents die Namen der Kapitel entnehmen kann, was aber erst nach dem zweiten Durchlauf möglich ist.

Setze deshalb dein Dokument zweimal nacheinander, wenn du zum Beispiel Kapitel umbenannt hast (Ähnliches gilt auch für Änderungen in der Bibliographie).

Was aber, wenn LaTeX im Konsolenfenster einen Fehler meldet und das Setzen unterbricht? Das ist natürlich kein Grund zur Panik, da es sich zumeist sowieso nur um harmlose Tippfehler handelt. Auf jeden Fall geht dir LaTeX bei der Suche nach der Fehlerursache hilfsbereit zur Hand; es meldet dir nämlich die Nummer der Zeile und eine Fehlerbeschreibung. Beim folgenden Beispiel habe ich den Befehl \chaper absichtlich falsch geschrieben um dies zu demonstrieren:

LaTeX meldet einen Fehler (Undefined control sequence) in der Zeile 5.

LaTeX meldet uns «Undefined control sequence», weil kein \capter-Befehl existiert. Wenn wir einen ausführlicheren (aber nicht ausführlichen) Hilfetext haben möchten, fügen wir ein Fragezeichen gefolgt von der Eingabetaste im Eingabe-Feld ein. Wir können aber auch einfach die Eingabetaste drücken und so LaTeX anweisen, die fehlerhafte Zeile einfach zu übergehen (mit der Taste «r» weisen wir LaTeX an, alle Fehler zu übergehen!), aber bei unserem Beispiel wird dann im Ausgabe-Dokument der Titel eines Kapitels fehlen.

Wir ziehen es aber wohl vor den Fehler zu korrigieren, statt ihn zu übergehen: Wir klicken in der Symbolleiste des Konsolenfensters auf «Gehe zu Fehler», worauf uns TeXShop die Zeile, wo der Fehler auftritt, im Eingabe-Dokument markiert. So können wir den Fehler korrigieren und dann den Text neu setzen lassen.

Wenn die Fehlermeldung unverständlich klingt und LaTeX den Ort des Fehlers nicht genau lokalisieren kann, evtl. mit dem Text «Runaway argument?», dann deutet das auf eine vergessene (abschliessende) Klammer hin.

Wie weiter?

Ich empfehle zur Vertiefung deiner LaTeX-Kentnisse und zum Kennenlernen weiterer Möglichkeiten auf jeden Fall die Lektüre eines der folgenden Dokumente: The Not So Short Introduction of LaTeX oder der LaTeX-Kurzbeschreibung. (Die englische Version basiert auf der deutschen, wurde ihr gegenüber aber noch ergänzt.)

Diese Dokumente erklären dir die wichtigsten Befehle von LaTeX und geben dir viele wichtige Informationen. Sie beschreiben den Einsatz von LaTeX unabhängig von Betriebssystem und Distribution. Da wir nun aber ein funktionierendes System installiert haben und du schon Erfahrungen damit gemacht hast, wirst du keine Mühe haben, dem Inhalt folgen zu können. Es reicht übrigens vollauf aus, wenn du dir die Kapitel bis und mit «Typsetting Text» bzw. «Setzen von Text» zu Gemüte führst; ausser du möchtest auch Dokumente mit mathematischen Formeln verfassen, dann lies auch das anschliessende Kapitel.


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